Maximilian Michels Christoph Hofstetter

Interview mit Maximilian Michels und Christoph Hofstetter

Herr Hofstetter, Herr Michels, was genau bietet Caspar und wen wollen Sie mit Ihrem digitalen Therapieservice erreichen?

Christoph Hofstetter: Caspar schafft eine engere Bindung und eine intensivere Interaktion zwischen Therapeut und Patient. Bisher hat der Therapeut vornehmlich in der Klinik oder der Praxis mit seinen Kunden gearbeitet. Caspar ermöglicht nun eine direkte digitale Interaktion aus der Wohnung des Patienten mit der Therapiepraxis. Der Patient muss nicht mehr unbedingt in die betreffende Praxis oder Klinik, um sich Rat zu holen und Übungen zu machen, sondern er kann dies online tun. Die Therapieformate und Trainingsprogramme, die vorher gemeinsam entwickelt worden sind, können so per Caspar von zu Hause durchgeführt und mit Videos aus unserer Bibliothek ergänzt werden. Die oft mühsame Anfahrt entfällt. Caspar erinnert die Patienten an ihre Hausaufgaben und der Therapeut verfolgt die individuellen Fortschritte online.


Caspar schafft eine engere Bindung und eine intensivere Interaktion zwischen Therapeut und Patient.

Christoph Hofstetter

Welche Vorteile hat die Reha per Handy oder Tablett gegenüber den Möglichkeiten im Krankenhaus oder der Praxis des Therapeuten?

Christoph Hofstetter: Mit Caspar heben wir die räumlichen Grenzen auf, maximieren den Therapieerfolg und machen ihn nachhaltiger. So kann der Therapeut weiterhin den Verlauf der Genesung des Patienten kontrollieren und neue Trainingsprogramme einsetzen. Der Patient wird durch die räumliche Trennung viel selbständiger und bringt die Therapien mit seinem Alltag in Einklang. Patienten und Therapeuten haben ja bisher nur direkten Kontakt, wenn sie physisch zusammen in einem Raum sind. Um Therapien aber nachhaltiger zu gestalten ist es wichtig, dass die Patienten auch von zuhause trainieren können und nicht mehr jedes Mal den Weg in die Praxis machen müssen. Der Therapeut hat durch Caspar zudem eine erhebliche Vereinfachung in der Verwaltung der Patientenakten, weil das Programm ihn nach evidenzbasierten Vorgaben durch die Dokumentation führt.

Woher kommt die Idee für Caspar?

Maximilian Michels: In Deutschland haben wir ein sehr gutes Gesundheits- und Versicherungssystem, was seinesgleichen sucht. Häufig benötigen Menschen nach operativen Eingriffen, Krankheiten, Unfällen oder Krankenhausaufenthalten den Zugang zu Rehabilitationseinrichtungen. Problematisch ist dabei, dass der Zugang zum Fachwissen der behandelnden Therapeuten und Ärzte zeitlich und örtlich limitiert ist. Obwohl die Patienten z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt noch nicht ganz geheilt sind, wird die Therapie unterbrochen. Anschließend ist der Patient auf sich alleine gestellt und muss in seiner häuslichen Umgebung neue, passende Therapeuten suchen. Bis die nächste Therapie beginnt vergeht häufig viel Zeit, vor allem in Flächenländern ist dieses Problem sehr ausgeprägt. Das große Problem ist, dass der Patient währenddessen den Großteil des erzielten Therapieerfolgs verliert, in Deutschland nennt man das „Nachsorgeloch“.

Ein weiteres Problem ist, dass die Patienten unbedingt zwischen den Therapieeinheiten eigenständig ihre Übungen zuhause durchführen müssen. Nur dadurch erzielt man einen effektiven Therapieerfolg. Leider wissen aber viele Patienten nicht wie, wann und was sie genau zuhause wie trainieren müssen.

Als Geschäftsführer einer der größten deutschen Rehabilitationskliniken hatte ich Ende 2015 die Idee zu Caspar: Caspar ermöglicht erstmals die genannten Grenzen des zeitlichen und örtlichen Therapiezugangs zu überwinden und gibt allen Menschen die Möglichkeit jederzeit und überall richtig zu trainieren. Auf diese Weise können sie schneller und nachhaltiger gesund werden und am Leben wieder teilnehmen. Im Mittelpunkt steht die ganzheitliche und nachhaltige Patientenbetreuung sowie der Schritt für die Rehabilitation ins digitale eHealth- Zeitalter.


Leider wissen aber viele Patienten nicht wie, wann und was sie genau zuhause wie trainieren müssen.

Maximilian Michels

Wer ist an dem Startup beteiligt?

Maximilian Michels: Wir sind drei Gründer – Benjamin Pochhammer (Produkt, Operations), Max von Waldenfels (Finanzen, Recht, HR) und ich (Strategie, Vertrieb). Bei unseren Investoren haben wir Wert darauf gelegt, nicht nur finanzielle Unterstützung zu erhalten, sondern vor allem solche Gesellschafter an Bord zu haben, die mit ihrem professionellen Know How Caspar deutlich weiter bringen können. Zu den Investoren zählen unter anderem der bekannte Early-Stage-Investor Christoph Maire (Atlantic Labs), der Healthcare-Fonds von Think.Health Ventures sowie Helmut C. Nanz, Inhaber der größten ambulanten Rehabilitationskette.

Was meinen Wissenschaftler und Mediziner zum digitalen Therapieassistenten Caspar? Gibt es schon Untersuchungen zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit?

Christoph Hofstetter: Ich habe mit mehreren Neurologen über Caspar gesprochen. Alle sind sich einig, dass Caspar ein sehr effektives und schlaues Programm ist, das für die Nachhaltigkeit der Rehabilitation sehr effizient sein wird. Vom Bundesgesundheitsministerium ist im Sommer 2016 eine Analyse veröffentlicht worden. Demnach sind in den vergangenen Jahren etwa 1.600 Studien zur digitalen Therapie, ihrer Evidenz und Effizienz publiziert worden. Der gemeinsame Nenner aller Untersuchungen lautet: Digitale Therapien können die Effizienz der Hands-on-Methoden beträchtlich verbessern. Zudem ist uns wichtig, dass Fachwissen einfließt und interdisziplinäre Therapeuten aus den Bereichen Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie die Systematik des Programms entwickeln, weil wir den Trainingsablauf, die Kostensituation und den Zeitdruck im ambulanten sowie klinischen Bereich kennen. Wir wollen kein elitäres Programm bauen und es unseren Kunden aufdrängen. Wir wollen ein maßgeschneidertes Programm für Patienten und Therapeuten entwickeln und allen Beteiligten die Arbeit erleichtern.

Wird Caspar das Geschäft der Therapeuten langfristig gefährden oder ihnen neue Märkte und Möglichkeiten schaffen?

Christoph Hofstetter: Caspar ist die Brücke zwischen Therapeuten und Patienten und wird die medizinische und gesellschaftliche Bedeutung von Therapien verbessern. Caspar ist wie erwähnt von Therapeuten für Therapeuten entwickelt worden. Unser Tool schafft für sie neue Möglichkeiten und Geschäfte. Caspar hilft den Therapeuten, ihre Chancen am Markt zu optimieren und einen wichtigen Schritt Richtung Digitalisierung zu gehen. Die schon erwähnte Studie des Gesundheitsministeriums zur Digitalisierung prognostiziert bis 2030 einen Mangel an Therapiekapazität in Höhe von 39 Prozent. Das Angebot kann also die Nachfrage nicht decken. Die Politik fordert die Gesundheitsbranche ausdrücklich auf, digitale Dienste zu entwickeln, um diesen Notstand zu lindern. Die Patientenbeziehung wird zudem immer intensiver. Hier kann Caspar die Qualität deutlich verbessern – etwa durch die gründliche digitale Dokumentation, die Therapieplanung und die Durchführung mit Hausaufgaben-Videos.


Caspar ist die Brücke zwischen Therapeuten und Patienten.

Christoph Hofstetter

Wie wird sich Caspar finanzieren? Wer zahlt für den Service? Und werden die Krankenkassen die Leistung vergüten?

Maximilian Michels: Unsere Partner sind in erster Linie Therapeuten und Ärzte aus medizinischen Einrichtungen, also niedergelassene Praxen, Therapiezentren, stationäre- und ambulante Rehabilitationskliniken und Krankenhäuser. Diese Partnerkliniken oder -Praxen schließen einen Vertrag mit Caspar und nutzen unsere Therapieplattform, um ihre Patienten weiterführend und intensiver zu behandeln. Caspar erhält dafür eine Gebühr von der Einrichtung.

Die weiterführende Therapie mit Caspar erschließt für diese Einrichtungen völlig neue Therapiemöglichkeiten und einen neuen Markt. Sie werden förmlich ins eHealth-Zeitalter katapultiert, können Patienten enger an sich binden und die Qualität der Dienstleistung um ein Vielfaches steigern. Für diese neue Form der Dienstleistung erhält die Einrichtung eine Vergütung vom Patienten - die Preise bestimmen und erheben die Praxen und Kliniken selbst. Mit den Kassen und Versicherungen sind wir im fortgeschrittenen Gespräch diesen digitalen Service zu erstatten.

Wo steht Caspar in einem Jahr?

Maximilian Michels: Der Fokus liegt zum einen auf Fortschritt. Die ganzheitliche Patientenbetreuung steht im Mittelpunkt unserer Arbeit, weshalb Caspar ständig von unserem interdisziplinären Therapeuten- und Ärzteteam weiter entwickelt wird.
Zum anderen bauen wir das Caspar-Netzwerk weiter aus. In einem Jahr wird Caspar in jeder fortschrittlichen Therapieeinrichtung zum Standard gehören. Patienten werden über unsere Homepage nach der nächsten Caspar Einrichtung in ihrer Nähe suchen.

Christoph Hofstetter: Caspar kann zusammen mit dem Patienten Übungen aufnehmen. Das ist ein schöner Reiz. Der Patient sieht sich selbst und seine medizinische Entwicklung. Wir wollen keine Massenware schaffen, sondern hochwertige Übungen. Unsere Vision ist es, für Therapeuten und Patienten die digitale qualitativ hochwertigste Online-Rehabilitations-Klink zu schaffen.


Caspar kann zusammen mit dem Patienten Übungen aufnehmen.

Christoph Hofstetter

Woher kommt der Name Caspar?

Maximilian Michels: Mein Sohn heißt Caspar und unser Startup ist nach ihm benannt. Er wird bald zwei Jahre alt und entdeckt die Welt. Das war unsere Inspiration. Der digitale Caspar lernt auch jeden Tag dazu und wächst von Tag zu Tag.


Das Interview führte Andreas Nölting
https://www.noeltingmedia.com